Architektur


Fenster zur Welt

Der Bau des Buchkindergartens übernimmt eine wichtige Aufgabe zur Revitalisierung des bis dahin sehr vernachlässigten Gebiets in der Josephstraße. Straßenbegleitend, um 4 Meter zurückversetzt, schließen sich die Baulücken durch einen zweigeschossigen, modernen Baukörper, der durch eine Holzverkleidung und in die Fassade integrierte öffentliche Tauschbibliothek das Gesicht der Josephstraße prägen wird. Durch die beidseitigen Wegführungen neben dem Baukörper bleibt gleichzeitig der Blick in den grünen Innenbereich gewahrt.

Die Buchwerkstatt, Herzstück des pädagogischen Konzepts, ist von der Straße aus durch die großzügige Fensterfront einsehbar und schafft so die Möglichkeit des Blickkontaktes: das pädagogische Konzept wird transparent. Der großzügige Eingangsbereich ist für Aufführungen und Lesungen der Kinder bestens geeignet. Eingeschossig schließt sich der Gemeinschaftsraum an, in dem die Kinder zusammen die Mahlzeiten einnehmen werden.

Die 4 Gruppenräume für je 12 Kinder, nach Süden ausgerichtet, befinden sich ebenfalls auf Erdgeschossniveau und erlauben den freien Zugang zu dem Freigelände. Sie bilden zusammen mit dem Gemeinschaftsraum den ebenerdigen Bereich des Buchkindergartens, der sich leicht geschwungen in den Innenbereich des Wohnblocks ausdehnt. Die 24 Krippenplätze befinden sich oberhalb der Werkstatt und haben ebenfalls über eine großzügige Terrasse einen Zugang zum Außenbereich.


Die Gesamtanlage besteht aus einem Draußen, Weitblick – Bewegung – Ausdruck, mit einer Gartenanlage, einer kleinen Naturlandschaft als Erfahrungsfeld für Kinder und einem Drinnen, Einblick – Ruhe – Eindruck, mit einer kleinen Aufenthaltslandschaft bestehend aus drei Elementen – den Gruppenräumen, der Kinderkrippe mit der Buchwerkstatt und dem multifunktionalen Raum, die über ein geschossübergreifendes Foyer miteinander in Verbindung stehen. Der Baukörper selbst ist in seiner Hauptachse West-Ost orientiert, um so die Nutzungsabläufe mit dem Sonnenlauf zu begleiten. Anschließend an das Foyer ergeben sich durch die Splitlevel-Anordnung vielfache Sichtbeziehungen in alle Funktionsbereiche, die Kinderkrippe, die Buchkinderwerkstatt und dem multifunktionalen Raum mit den Gruppenräumen des Kindergartens im Anschluss. Die Anordnung der Gruppenräume ermöglicht ebenfalls eine Begleitung des Sonnenlaufes von Süd-Ost/Süd-West, also von vormittags bis in den frühen Nachmittag. Die Kinderkrippenräume, die vormittags am intensivsten genutzt werden, befinden sich an der Ost/Süd-Ost Seite.

Die Gruppenräume erschließen sich von Vorne nach Hinten, von West nach Ost, über einen rhythmisch angelegten Spielflur mit kleinen Spielecken. Daran anschließend befindet sich jeweils die Erschließung von zwei Gruppenräumen mit Garderoben und einem gemeinsamen direkten Ausgang in den Freibereich.

Nach Süden hin öffnen sich alle Gruppenräume mit ihrer großen Fensterfront, um über eine großzügig angelegte Außenterrasse die Innenlandschaft mit der Außenlandschaft fließend zu verbinden. Ausblick – Einblick als Verbindung.

Nach Norden hin verschaffen kleine in die geschlossene Fassade integrierte Sitzfenster für die Kinder verschiedene Sichtbeziehungen in den Garten der Nachbarschaft. Ausblick – Einblick als Abgrenzung.

Die rhythmische Anordnung der Dachlandschaft, das Oben – Unten verbindend, ermöglicht es, auf spielerische Weise verschiedene Funktionsräume als sichtbare Elemente zu integrieren.

Die zweigeschossige Stauchung im vorderen Bereich an der Josephstraße, den öffentlichen Eingang bildend, geht über in die eingeschossige Streckung in dem hinteren Grundstücksbereich, um hier den Spielgarten der Kinder über die privaten Ausgänge mit den Nachbarschaftsgärten räumlich zu verbinden.